Internet die gefährlichste Droge des 21. Jahrhunderts? [Teil 2]


Letzte Woche haben wir uns im ersten Teil dieses Artikels hauptsächlich mit der Internetsucht beschäftigt und haben festgestellt, dass man gar nicht so einfach diagnostizieren kann, wann jemand internetsüchtig ist und wann nicht. Auch mussten wir erkennen, dass die Zahl der Abhängigen immer weiter steigt, das Gesundheitssystem auf diese Tendenz aber kaum reagiert, da Internetsucht nicht offiziell als Krankheit anerkannt ist.

Zur Zeit sind etwa 560.000 Deutsche internetabhängig doch reicht das, um das Internet schon jetzt als die gefährlichste Droge des 21. Jahrhunderts zu bezeichnen? Unserer Meinung nach sicher nicht. Doch das Internet ist etwas, das nicht nur im Leben dieser 560.000 eine Rolle spielt. Jeder von uns nutzt das Internet und wird von den digitalen Medien beeinflusst, ja einige könnten sich ein Leben ohne Internet vermutlich schon gar nicht mehr vorstellen. Was hat das zur Folge und wie verändert das unser aller Leben?

 Wir sind bereits digital dement!

Wir sind bereits digital dement so titelte letzte Woche der Fokus. Ziemlich reißerische Überschrift für einen Artikel. So ein Quatsch werden sich einige jetzt vielleicht denken, Hauptsache mal wieder gegen die digitalen Medien gewettert!. Wer dann noch den ersten Satz des Artikels von Manfred Spitzer, Professor für Psychiatrie und Ärztlichen Direktor der Psychiatrischen Universitätsklinik in Ulm, gelesen hat, dem wird unter Umständen das Blut in den Adern kochen: Digitale Medien machen süchtig und rauben uns den Schlaf. Spitzer lässt hier meiner Meinung nach keine Zweifel zu, kein Konjunktiv, nichts von wegen digitale Medien machen teilweise süchtig oder rauben manchen von uns den Schlaf. Das ist eine deutliche Ansage. Und natürlich ist es Unsinn, wenn man das wörtlich nimmt. Es ist als würde man sagen, dass Flugzeuge abstürzen und Schlaftabletten töten. Natürlich können Flugzeuge abstürzen und Schlaftabletten können in einer entsprechenden Dosierung tödlich sein, genauso kann das Internet süchtig machen. Doch lassen wir die Diskussion um die Formulierung dieser Aussage was steckt hinter diesen reißerischen Worten?

Digitale Medien nehmen uns einen Großteil unserer geistigen Arbeit ab, daran gibt es keine Zweifel. Wir finden inzwischen zu allen verschiedenen Themen (und ich glaube, an dieser Stelle darf man allen ausnahmsweise mal wörtlich nehmen) Informationen im Internet. Wie viele Webseiten es inzwischen im Netz gibt, das kann man so genau nicht sagen. Wired-Gründer Kevin Kelly schätzt die Anzahl auf eine Billion. Das entspricht einer 1 mit 12 Nullen. Das ist so gigantisch, dass da eigentlich nur das menschliche Gehirn (ich vernachlässige an dieser Stelle absichtlich die absurden Monopoly-Spiele der Finanzwelt) in dieser Liga mitspielen kann und selbst das verfügt nur über 100 Milliarden Neuronen. Nun ja, dafür ist es wesentlich besser vernetzt.

Internet: Fluch und Segen zugleich

Was war doch gleich Kapitalismus? >>> Wikipedia; Kapitalismus. Wird zu Hause getrennt oder zusammen geschrieben? >>> Duden.de; zu Hause. Was heißt Klimaerwärmung auf Englisch? >>> Pons.de; Klimaerwärmung. Was sich auf der einen Seite als Segen erweist, ist auf der anderen Seite ein Fluch. Denn mal ehrlich: Wie viele Sachen googlen wir, die wir eigentlich wissen? Und warum greifen wir für eine einfache Rechnung zum iPhone, packen den Rechner aus, anstatt unser Gehirn zur Abwechslung mal wieder hochzufahren? Gerade für Kinder, die inzwischen schon im jüngsten Alter an digitale Medien herangeführt werden, birgt dieses ganze System enorme Risiken. Wir mussten damals nicht umsonst Kopfrechnen üben und Gedichte auswendig lernen (auch wenn es mit Sicherheit nicht zu den angenehmsten Aufgaben gehörte). Gerade das Gehirn von Kindern muss sich entwickeln und muss geschult werden, ohne wenn und aber. Und ob Computer, die immer mehr als Lernmittel in Schulen eingesetzt werden, für diese Entwicklung wirklich förderlich sind, oder ob sie nicht doch größtenteils negative Auswirkungen haben, das bleibt fraglich.

Das Internet eine virtuelle Welt

Doch das ganze System Internet bietet nicht nur Informationen und nimmt uns teilweise das Denken ab. Es ist eine komplette, virtuelle Welt richtig, an dieser Stelle kommen die sozialen Online-Netzwerke ins Spiel. Bei den Recherchen für diesen Artikel tauchten immer wieder drei Formulierungen in Kombination mit Facebook & Co. auf: Ängste, Depressionen und mangelndes Sozialverhalten. Vernachlässigen wir an dieser Stelle die Punkte Ängste und Depressionen, denn da wären wir dann wieder bei den Flugzeugen und Schlaftabletten angelangt. Natürlich verlieren sich immer wieder Menschen (560.000 um genau zu sein) völlig in der virtuellen Welt, doch nach wie vor sind das Ausnahmen und im Moment geht es uns um den Normalbürger.

Man kann definitiv sagen, dass Smartphones in Kombination mit den sozialen Netzwerken unsere Art der Kommunikation verändert haben. Fast jeder trägt heute das Internet in der Hosentasche mit sich herum und hat Zugriff auf Facebook, Twitter & Co. Inzwischen muss man kaum noch darüber nachdenken, es geschieht häufig automatisch, dass man egal ob in Bus, Bahn, auf dem Sofa, in der Schule, auf dem Klo oder sonst wo checkt, ob neue Nachrichten da sind. Man ist immer und überall erreichbar. Oberflächlich gesehen ist man also immer in Kontakt mit anderen, ist niemals alleine, ein kleiner Facebook-Post, fünf Minuten später hat man schon drei Likes und sechs Kommentare. Außerdem hat man 523 Freunde. Und 71 Twitter-Follower. Und trotzdem ist man beschränkt man sein soziales Leben auf diese virtuelle Welt ein ziemlich einsamer Mensch. Denn auch 20 Likes und 30 Kommentare können ein persönliches Gespräch/Treffen mit einem wahren Freund wohl kaum aufwiegen. Schließlich werden über das Internet weder Mimik, Gestik, Körpersprache noch Stimme oder Geruch vermittelt. Ok ok, hier greift Skype ins Geschehen ein. Wobei da natürlich noch der Geruch fehlt aber gab es da nicht auch eine verrückte Geschichte der Japaner, die mit irgendwelchen Geräten Gerüche an den Liebsten oder die Liebste verschicken können?! Nun ja, das ganze Thema moderne Kommunikation ist ein zu großes Gebiet (vielleicht eine Thematik, die einen eigenen Artikel verdient?), um hier alle Aspekte beleuchten zu können.

Fazit

Auch wenn wir vermutlich noch zahlreiche weitere Argumente und Meinungen finden könnten versuchen wir einen Schlussstrich zu ziehen und zu einem Fazit zu kommen: Ist das Internet wirklich so gefährlich? Ja und nein. Im Grunde ist es Fluch und Segen zugleich. Wie so oft liegt es wohl einfach an uns und daran, was wir aus diesem Segen machen. Das Internet bietet unendlich viele Informationen die uns theoretisch zu verdammt intelligenten Menschen machen könnten. Oder unseren Verstand verkommen lassen, weil wir uns ausschließlich auf dieses gigantische virtuelle Lexikon stützen. Genauso können (und müssen!) Kinder an die digitalen Medien herangeführt werden jedoch kontrolliert, um einer frühzeitigen Internetsucht (wie beispielsweise in Südkorea) vorzubeugen. Es liegt an uns, was wir aus dem Internet machen. Und in 50 Jahren wissen wir vermutlich, ob das Internet die gefährlichste Droge des 21. Jahrhunderts ist. 2030 wird Depression laut der Weltgesundheitsorganisation die meistverbreitete Krankheit der Industrieländer sein begünstigt durch das Internet. Hoffen wir das Beste!

Quellen:

Bild oben (Artikelbild): Mike Lau | Flickr

Bild Mitte: Sean MacEntee | Flickr

Bild unten: Veronica Belmont | Flickr

Focus (Nr. 31/12): Artikel Wir sind bereits digital dement (Seite 80-81).

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